Ich bin ein Starship Trooper und stehe mit anderen TrooperInnen beim Edeka-Ecke-Weser-Fulda an der Kasse.

Die Kasse piepst vor sich hin. Ich sehe das Dusch-Shampoo, das auch ich gekauft habe und gleich aufs Band legen werde. Duschen…

Wasser läuft über meinen Körper. Wasser läuft über die Körper der Anderen. Das Wasser ist das Gleiche, egal, auf welchen Körper es trifft.

Es interessiert das Wasser nicht, ob alt, jung, männlich, weiblich, inter, trans, orientiert, welche Farbe die Haut, woher, wohin, wieso.

Das Wasser behandelt alle Körper gleich und alle Körper bekommen das gleiche Wasser.

Wieso sind die TrooperInnen hier?

Breckinridge: I hate farming. Mobile Infantry is like pure picnic by comparison.

Janet shampoot ihren Kopf. Will in die Politik. Auch das Shampoo ist das Gleiche für alle.

Shujimi: ist bereits fertig mit seinen kurzen schwarzen Haaren und mit seinem Körper. Wasser spült die Reste vom für alle gleichen Shampoo-Schaum von seiner Haut. Er will studieren. Kann es sich nur als Citizen leisten.

Eine kurzgeschorene Trooperin sagt: I wanna have babies… and you know… it’s a lot easier if you serve.

Ace will Karriere machen. Offizier werden.

Rico?

Who asked you to be so nosey?

I am a writer… a writer’s got a right to be nosey…

On second thoughts… Wieso bin ich hier? Diversity Management?

Hatte ich vergessen, meine Verweigerung zu schreiben?

Ich bin eine Old-Rat inmitten der Roughnecks. Rico’s Roughnecks!

Flores kommt in den Dusch-Raum. Zieht ihr T-Shirt aus.

Flores über Ricos Hier-Sein:

He’s here because of a girl….

Rico ist pissed off. Er haut ab.

Janet klopft ihm beim Rausgehen auf seinen knackigen Po. Die Dusche kreischt…

Is he here because of you?

Flores lacht…

Pieps.

Ich packe das Dusch-Shampoo in meine Einkaufs-Stofftasche. Das Gleiche, das vor mir ein anderer Mensch gekauft hat.

Ich beschließe, kein Trooper mehr zu sein. Ich beschließe, dass ich im Edeka an der Kasse stehe und nicht nackt in einer Dusch-Szene.

Pieps.

Den Bio-Joghurt. Das dreieckige Körnerbrot. Dann hat meine Hand nichts zu verpacken, weil die in Plastik eingewickelten Zucchinis noch am Gewogen-Werden sind.

Pieps.

Die kassierende Hand schiebt die Zucchinis in meine Richtung. Ich packe die transparente Plastiküte in die Stofftasche.

Pieps.

Bio-Rotwein. Das letzte piepsen. Ich packe die Flasche noch nicht ein, habe bereits meine Karte in der Hand. Der Mund der kassierenden Hand nennt mir eine Zahl. Die kassierende Hand nimmt die Karte.

Ich stecke die Flasche in meine Stofftasche. Meine Karte steckt in einem Gerät und zahlt. Die Augen im Gesicht der kassierenden Hand drücken warten aus. Die Augen gucken über das Zahlgerät. Irgendwo hin.

Meine Augen sehen: Ein Frosch und eine Schildkröte küssen sich. Schützt unsere Umwelt, steht auf meiner Stofftasche.

Zählt das Kassieren als Bildschirmarbeitsplatz? Dann sollten die Augen der Kassierenden sich regelmäßig auf etwas in der Ferne fokussieren. Die 20-20-20 Regel.

Laut Wikipedia: alle 20 Minuten, 20 Füße (6 Meter), für 20 Sekunden.

Meine Finger greifen meine Bezahlkarte. Mein Mund und der Mund der kassierenden Hand kommunizieren. Meine Füße gehen mich raus.

Draußen angekommen denken meine Gedanken wieder an die Dusch-Szene. Nackte Menschen, gleiches Wasser und gleiches Dusch-Zeug. Gleichheit. Nur beim Militär?

Gestern Abend hatte Zalando Werbung mit nackten Körpern und mit verpixelten Geschlechtsteilen. Die Verpixelung des Natürlichen.

Kurz darauf schlachtete Walt Disney mit Schwertern in Narnia Fantasie-Menschen ab. Angezogen und nicht verpixelt.

Der Unterschied zwischen Starship Troopers und Narnia? Es spritzt kein Blut und es fliegen keine Körperteile durch die Gegend. In Narnia.

Das Verbindende: es gibt keine Sexualorgane zu sehen. Weder in Starship Troopers noch in Narnia.

Ich hatte einen Traum: ich gehen in einen Schrank… und dann…? Porno-Land.

Sind nackte Körper Porno-Land?

Was ist das Schwert in der Hand in Narnia-Land, das tötet? Pervers?

Meine Hände ziehen den Reißverschluss meiner Strickjacke der Marke Angelo Litrico nach oben hin zu.

Ich bin nicht als G-Teil-verpixelter Mensch in der Zalando-Werbung und auch nicht unverpixelt durch einen Schrank nach Narnia.

Ich bin raus aus dem Edeka und auf die Weserstraße.

Die Weserstraße: keine Starship-TrooperInnen, keine Zalando-Pixel-Menschen, keine Schwertschwingenden.

Klassiker: Penis im Reisverschluss eingeklemmt (Ungefähr 305.000 Ergebnisse (0,16 Sekunden) am 28.03.2011). Passiert nicht. Un-Klassiker: Angelo Litrico Strickjacken-Reißverschluss passiert. Am Hals. Unrasiert. Tut weh.

Ich piepse. Wie die Maschine der kassierenden Hand. Nicht mechanisch, sondern menschlich. Hoch.

Pieps.

Visuell: Ein Mensch – mit von mir zurzeit sexuell präferierten Attributen – geht an mir vorbei, angezogen, ohne Schwert, unverpixelt.

Ich: fummele an dem Reißverschluss meiner Angelo Litrico Strickjacke herum. Befreie meinen unrasierten Hals. Gehe weiter. Auf der Weserstraße.

 

2 Antworten auf Starship Trooper in Neukölln

  • Angeblich sollen beim Edeka Scherben im Essen sein. Ist das ein Mittel gegen die Gentrifizierung Neuköllns?

  • theo sagt:

    Juhu C,

    ich hoffe nicht und dass meine Scherbe im Bagel eine Einzelfall war/bleibt. Aber wer weiß…

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